#fromfarmtoscarf im Januar

Am 9. Januar habe ich die erste Kette auf meinen neuen Gatterkammwebrahmen aufgezogen und in den folgenden Tagen meinen ersten Schal gewebt. Das ist erst drei Wochen her, aber momentan fühlt es sich so an, dass ich mit Weben offenbar MEIN Handwerk gefunden habe (mal sehen, ob das Gefühl bleibt!). Mir war aber von Anfang an klar, dass ich nicht irgendeine irgendwie produzierte Wolle verweben möchte, sondern das Handweben mit der Frage verbinden möchte, wie Textilien regional und nachhaltig und mit transparenter Wertschöpfungskette und angemessener Bezahlung aller an der Wertschöpfung beteiligten Menschen hergestellt werden können. Ich ahne, dass das eine vermutlich nie endende, spannende Lernreise wird, und ich habe mir vorgenommen, am Ende jeden Monats einen kleinen Reisebericht zu schreiben – über das, was ich am Webrahmen gelernt habe, über die Wolle, die ich genutzt habe, über neue Erkenntnisse. Ich verlinke in den Beiträgen hilfreiche Artikel und auch Wollshops, aber alles hier ist eigene Meinung, von eigenem Geld gekauft und selbst recherchiert.

Am Webrahmen: Von Leinwandbindung zur Köperbindung

Die ersten Schals habe ich in klassischer Leinwandbindung gewebt (also das, was man auch in der Schule lernt – einmal über den Faden, unter dem nächsten durch, über den nächsten drüber – dank Gatterkamm brauche ich aber nur das Schiffchen durch das entstandene Fach schieben!). Nach Schal Nr. 4 habe ich auf Youtube ein Tutorial der Handwebmeisterin Antje Vajen zu “Geraden Webkanten und Fadenwechsel” gefunden, und habe bei Schal Nr. 5 dann nicht nur einen saubereren Fadenwechsel hinbekommen, sondern auch kleine Garnabschnitte mit eingewebt – eine Idee, von der ich bis zum Ende nicht sicher war, ob sie wirklich gut ist. Aber das Ergebnis sieht toll aus, wie ich finde! Mit Schal Nr. 6 wage ich mich erstmals an die Köperbindung heran!

Meine gewebten Schals im Januar 2022 – mehr Fotos findest du auf meinem Instagram-Account!

Verwebt: Merinowolle aus dem Süden Deutschlands

Die ersten 6 Schals habe ich alle aus der Bayerischen Merinowolle von Rauwerk (ich mische beide Stärken, also die Original und die No2) gewebt, bei Schal Nr. 4 und 5 habe ich außerdem die ungefärbte Merino aus dem Wollprojekt von Paulaswolle (vom Crowdfunding hatte ich hier im Blog auch schon berichtet) hinzugefügt, die aus einer Wanderschäferei in Baden-Württemberg kommt. Der Grund dafür ist ziemlich simpel: Ich stricke sehr gerne mit der Rauwerk-Wolle (tolle Farben und schön weich!) und hatte deshalb noch einige Stränge bei mir herumliegen. Außerdem kenne ich Christine, die Gründerin, noch aus meiner Zeit in München und habe das Werden des Projektes von Anfang an ein bisschen mitverfolgt. Die Wolle stammt von einer Herde Merinoschafe bei München, die auf einem biozertifizierten Betrieb leben, und Christine hat 2017 angefangen, daraus eigenes Garn machen zu lassen (hier habe ich einen älteren Artikel in der SZ dazu gefunden). Die Produktion von der Schafschur bis zum gesponnenen und gefärbten Garn erfolgt komplett in Bayern – bis auf das Waschen nach der Schur, wie sie mir auf Nachfrage verriet. Dafür muss die Wolle einmal einen Ausflug nach Belgien machen. Und damit wären wir auch schon bei meiner dritten Kategorie…

Gelernt: Es ist viel komplizierter, als gedacht!

Zu meinem großen Glück habe ich Ende letzten Jahres einen sehr losen Kontakt, den ich zu Kathrin von Faserexperiemente hatte, wieder intensiviert, denn Kathrin weiß als Handspinnerin ziemlich viel über Wolle und Schafe und Garnverarbeitung und sie schreibt sehr informative und hilfreiche Blogbeiträge. Kathrin hat im letzten Jahr mit der Pflanzenfärberin Elke von Tulliver Yarns ein eigenes, regionales Wollprojekt gestartet, und ihre Erfahrungen haben sie in zwei Blogbeiträgen niedergeschrieben: Regionaler Wolle wieder Wert geben und Vom Schaf zum Garn ist es eine lange Reise. Darin wird ziemlich deutlich, dass es nicht besonders leicht ist, regionale Handstrickwolle zu produzieren, und ein Nadelöhr in der ganzen Verarbeitung ist offenbar die Wäscherei, die die Vliese nach der Schur wäscht. Es gibt in Deutschland nicht mehr viele Betriebe, und deshalb ist Belgien manchmal die regionalste Option… Aber um genau hier anzusetzen, gibt es jetzt das Fibershed DACH-Projekt. Wir hatten diese Woche wieder ein gemeinsames Online-Treffen und ich bin gespannt, was hier in den nächsten Wochen passieren wird….

Gefunden: Ein #farmtoscarf in England

Über Instagram habe ich whittle & weave gefunden, die auf ihrer Farm Schafe halten, die Wolle vor Ort spinnen und dann verweben – ein echter #farmtoscarf also, den Bec und Dru letzte Woche auf Instagram gezeigt haben.

Wenn du hilfreiche Tipps hast zu Themen rund um Handweben und regionale Wolle, lass sie gerne in den Kommentaren da oder schreib mir auf Instagram!

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